Familie: unentrinnbar und unheimlich
20 Uhr | Eintritt frei, mit Anmeldung

06.11. 20:00 – 21:30
Mit Dr. med. Sebastian Thrul, Psychiater und Psychoanalytiker, Basel
Die «bürgerliche Kleinfamilie» scheint trotz zahlreicher Abgesänge nach wie vor die primäre strukturbildende Instanz für viele Menschen zu sein. Ausgehend von Erfahrungen aus psychoanalytischen Behandlungen junger Erwachsener will ich der Frage nachgehen, wie in Familien heute die Spannung zwischen der Rätselhaftigkeit des Unbewussten und seiner notwendigen Strukturierung verhandelt wird.
Vermutlich war die stabile, klar strukturierte Familie bereits zu Beginn der psychoanalytischen Forschung, vielleicht aber auch schon immer, mehr Phantasma als Realität. Gleichwohl war und ist sie insofern zentraler Bezugspunkt dieser Forschung, als dass Triebe und Triebschicksale der in ihr sozialisierten Subjekte durch ihre Struktur selbst geformt und wiederum in spezifischer Art strukturiert werden. Ausgehend von Eindrücken junger Menschen in psychoanalytischen und psychiatrischen Behandlungen will ich der Frage nachgehen, inwieweit deren Selbstverständnis, ihre Selbstrepräsentation und Selbstreflexion Rückschlüsse auf die spezifische Art ihrer Sozialisation in Familien zulässt. Wie werden in Familien heute Fragen der äusserlichen und inneren Strukturierung, des Umgangs mit Grenzen zwischen Generationen und Geschlechtern, der damit verbundenen Gewalt, der Rätselhaftigkeit der eigenen Subjektivität verhandelt?
Referent
Sebastian Thrul ist Psychiater und Psychoanalytiker in eigener Praxis in Basel und er leitete bis vor kurzem als Oberarzt die Sprechstunde für Geschlechterfragen und ADHS bei Erwachsenen der Psychiatrie Baselland. Im Jahr 2023 wurde seine Arbeit «Männliche Heterosexualität jenseits der Binaritäten: eine Sexualforschung» (Psyche 2024) mit dem Gaetano-Benedetti-Preis der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft prämiert. Die Arbeit leistet unter Einbezug psychoanalytischer und queertheoretischer Perspektiven einen Beitrag zu einem vertieften Verständnis männlicher Heterosexualität. Seine gegenwärtigen Arbeits- und Forschungsschwerpunkte sind Fragen zu aktuellen psychischen, familiär-strukturellen und materiellen Bedingungen der Subjektwerdung aus Perspektive der psychiatrischen Diagnostik und der psychoanalytischen Klinik.
Sebastian Thrul lebt in familiären Verhältnissen als Vater zweier Kinder im Volksschulalter.
Anmeldefrist: bis 31. Oktober 2026
Organisiert von Jenseits der Familie.
Grafik © Sina Mathiuet.
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