Priscilla Predator: geboren, leben sterben

14.12.25 – 14.03.26
Paul Fritz & Virginie Sistek: ein automatisiertes Theaterstück
Magazine Release: 14.03.2026, 11–17 Uhr

Das Stück beginnt bei jeder vollen Stunde während der Öffnungszeiten: letzter Durchgang um 16 Uhr.
Sonntag ist Museumstag. «Erstmals in einer Museumsausstellung trifft im Dialog zwischen Auguste Rodin (1840–1917) und Hans Arp (1886–1966) das bahnbrechende Schaffen des grossen Wegbereiters der modernen Bildhauerei auf das einflussreiche Œuvre eines Protagonisten der abstrakten Skulptur.» Begleitet von Angehörigen, die wir uns nicht auswählen konnten, schreiten wir im Sommer 2021 in der Fondation Beyeler den Weg zwischen «Landschaft oder Frau, 1962» und «Vase, Schwangere Amphore, 1953» ab. Aufbereitet werden Assoziationen zwischen «Weib» und «Landschaft», «Behältnisse» und «Frau».
In solchen Räumen kann einen ein Unwohlsein beschleichen, ein Gefühl, das schon die Teenage-Tage prägte und Indikator für Unstimmigkeit sein könnte. Doch die utopische Kraft des Unwohlseins und der romantisierten Sehnsucht nach einem anderen Ort wird in der Rahmung einer Coming-of-Age Geschichte normalisiert und unschädlich gemacht. Die hilfsbedürftige Suche nach sich selbst und einem gelingenden Miteinander, das nicht in Eigenregie erfolgen kann, scheint vielmehr als Legitimation zu dienen, um Grenzen zu setzen und Wege zu weisen. Auch Priscilla muss ihre Geschenke auspacken. Der Zwang zur Dankbarkeit und zur eigenen Bringschuld kann nur in der Vollendung des Rituals in Kraft treten bzw. nur umgangen werden, wenn die Dinge allen gehören: Auf dem Schrottplatz digitaler Kultur, auf dem von AI gefressene und wieder ausgespuckte, endlos kopierte Dinge herumliegen, die Baudrillards vierte Stufe längst erreicht haben. Genau hier sieht auch Brad Troemel Potenzial, wenn der Artist Without Art gemeinsames Gut sammelt, ironisiert und verdreht, um emotionale Zustände im spätkapitalistischen Alltag fühlbar zu machen.
Das Gemeinschaftliche, das hier entsteht, basiert aber nicht auf einer anarchistischen Idee gegenseitiger Hilfe, sondern unterliegt der Ideologie des freien Marktes, in dem jede*r um sich selbst sorgt und sich nimmt, was herumliegt. Trotzdem: Auf dem Schrottplatz gemeinsamer Ideen fühlen wir uns zumindest von Hans Arps Annäherung an die weibliche Essenz befreit. Alles andere können wir hier vielleicht noch bauen. Willkommen!
Bilder: Ausstellungsansicht © Gina Folly. Flyer © Daniel Drabek. Freundlicherweise zur Verfügung gestellt von For.
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